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Gedenkstätte Kinderheim

Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus

In der Nähe von Velpke befand sich vom Mai bis Dezember 1944 eine so genannte "Ausländerkinderpflegestätte". Hier wurden Neugeborene von sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiterinnen untergebracht, die im Volkswagen­werk oder in der Landwirtschaft arbeiteten. Wegen man­gelhafter Pflege starben die meisten dieser als "rassisch minderwertig" geltenden Kinder schon nach kurzer Zeit an Hunger und Krankheiten.
 
Die "Ausländerkinderpflegestät­te" wurde Mitte Dezember 1944 geschlossen, weil das VW-­Werk die Baracken zu Produktionszwecken benötigte.
 
Eine aus roten Ziegelsteinen gemauerte Wand trägt die In­schrift:
HIER RUHEN
76 POLNISCHE
15 RUSSISCHE KINDER
+1944 
 
Auf einer Tafel an der Wand stehen die Worte:
Wir gedenken dieser unschuldigen Kinder, sie wurden durch Vernachlässigung Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.
Bürger der Gemeinde Velpke
 
Eine am Boden pultartig angestellte Bronzeplatte trägt eine polnische Inschrift und deren deutsche Übersetzung:
 Wenn das Echo ihrer Stimmen verhallen wird, werden wir zugrundegehen.
Hier wurden im Jahre 1944 Opfer des II. Weltkriegs begraben.
76 polnische und 15 russische Säuglinge, geboren von Zwangsarbeiterinnen, getrennt von ihren Müttern, starben sie an Erschöpfung im Kinderheim Velpke. Ihre Leiden sind ein Teil der Geschichte Europas des XX. Jahrhunderts.
X. 1996 Landsleute aus Polen
 
Die heutige Gedenkstätte mit Mauer und dem Schriftzug "Hier ruhen..." entstand Anfang der siebziger Jahre an den Gräbern der im so genannten Ausländerkinderheim 1944 umgekommenen Kinder. Da diese Inschrift die Todesumstände verschweigt, wurde 1986 nach kontroverser Diskussion eine ergänzende Tafel angebracht, aus der hervorgeht, dass die Kinder Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Seit mehreren Jahren kommen am 8. Mai Velpker Bürger auf dem Friedhof zusammen, um der Kinder zu gedenken. Initiatoren dieser Treffen waren die SPD Velpke, die GEW und die IG Metall. Eine weitere, vom Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg 1995 initiierte deutsch polnische Gedenktafel wurde am 16.11.1996 enthüllt.
Der Velpker Friedhof liegt am Ortsausgang Richtung Wahrstedt/Oebisfelde auf der rechten Seite. Nahe der Friedhofskapelle weist ein Holzpfeil mit der Aufschrift Gedenkstätte den Weg zu dem an der Friedhofsgrenze gelegenen Mahnmal.
 
Aus: Topographie der Erinnerung, herausgegeben von der Braunschweigischen Landschaft e.V.


Der Volkswagen-Konzern beauftragte den renommierten NS-Historiker Hans Mommsen, die Geschichte des Unternehmens aufzuarbeiten. Die Ergebnisse sind in dem Buch "Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich" erschienen.
Das Volkswagenwerk wurde während des Zweiten Weltkrieges auf die Produktion von Rüstungsgütern umgestellt. Dabei kamen, wie Volkswagen auch offen auf seiner offiziellen Homepage beschreibt, rund 20.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene und später auch noch KZ-Häftlinge zum Einsatz.
1999 richtete Volkswagen eine Erinnerungsstätte für die Zwangsarbeiter auf dem Werksgelände ein. Informationen und einen Katalog zur Ausstellung sind auf der Konzern-Website verfügbar.

Fotos können durch Klick vergrößert werden.

Die Gedenkstätte auf dem Velpker Friedhof

Gedenktafel der Velpker Bürger

Inschrift der polnischen Gedenktafel

Übersetzung auf der polnischen Gedenktafel