05364 52-0
 

VELPKER KATTENSTEINE

MITTELALTERLICHE RECHTSDENKMALE

 

Die drei Velpker Kattensteine sind die schönste erhaltene Gruppe mittelalterlicher Steinkreuze im Landkreis Helmstedt. Es handelt sich um zwei Steinkreuze und einen sogenannten Scheibenkreuzstein, die aus Velpker Sandstein gefertigt sind.

 

Ursprünglich standen sie, vermutlich getrennt voneinander, in der Feldmark an der alten Heerstraße von Velpke nach Wahrstedt in der Nähe des Abzweiges nach Meinkot. Der Flurname „Kreuzkamp” weist noch auf ihren alten Standort hin. Der Volksmund gab ihnen den Namen Kattensteine. Leider ist nicht bekannt, worauf dieser Name zurückgeht.

 

Der Stein 1 (58x70x13) ist ein Scheibenkreuzstein, der auf einer Seite ein eingetieftes Kreuz in einem Kreis trägt. Auf der Oberseite finden sich zwei eingetiefte Näpfchen.

 

Das Steinkreuz 2 (107x70x25) ist an den Kreuzarmen beschädigt und weist an Kopf- und Armenden ebenfalls zahlreiche Näpfchen auf.

 

Vom Steinkreuz 3 (64x24x20) ist nur der Schaft erhalten, der wiederum mehrere Näpfchen trägt.

Auffällig sind die zahlreichen napfartigen Vertiefungen auf den Kattensteinen (Stein 2). Sie sind Zeugnisse des Volksglaubens. Möglich ist, dass die waagerechten Vertiefungen zur Aufnahme von Öl für Seelenlichter dienten oder Weihwasser hinein gegossen wurde, um Krankheiten zu bannen.

 

Da einige Näpfchen senkrecht am Schaft angebracht sind, liegt eine zweite Deutung noch näher. Der Volksglauben schrieb dem Gesteinsstaub gewisser Steine eine magische Wirkung zu. Der Stein wurde dazu abgeschabt, das Gesteinsmehl verdünnt und z.B. als fiebersenkendes Mittel getrunken.

 

Die Näpfchen sind in jedem Fall Beleg für die intensive Nutzung der Kattensteine und ihre starke Verankerung im Volksglauben.

 

ARCHÄOLOGISCHES DENKMAL

Kattensteine

Die Kattensteine im Velpker Volkspark -

            von links: Steinkreuz 1 als Scheibenkreuzstein, Steinkreuz 2 und Steinkreuz 3 mit 

            beschädigten Kreuzarmen. (Foto: Harald Ludwig)

 

WARUM STEHEN STEINKREUZE IN DER FELDFLUR?

Steinkreuze und Kreuzsteine in der Flur stammen überwiegend aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Sie stehen für Menschen, die plötzlich und unvorbereitet ums Leben kamen, ermordet oder verunglückt. Die meisten Kreuze sind Sühnesteine, die bei Totschlagsdelikten vom Täter und seinen Angehörigen für die Seele des Opfers aufgestellt werden mussten.

Die Kreuze sollten dazu anhalten, für die Seele des Toten zu beten und ihr damit zur ewigen Seligkeit zu verhelfen. Durch einen entsprechenden Sühnevertrag zwischen den beteiligten Familien konnte eine bewaffnete Fehde abgewendet werden. 1532 wurde der Brauch der Sühneverträge durch staatliches Strafrecht abgelöst.
Quelle: FEMO