Rückblick Velpker Wirtschaftsforum 2011
„Velpker Wirtschaftsforum 2011“ – Ein Rückblick
Experten diskutierten zum Thema Berufsausbildung
Alljährlich im Frühjahr rückt ein Thema in den Focus der Öffentlichkeit, das immer wieder für Diskussionen sorgt: Die aktuelle Lage und künftige Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Ein Thema, mit dem auch wir uns von Seiten der Velpker Wirtschaftsförderung Anfang April im Rahmen des „Velpker Wirtschaftsforums 2011“ beschäftigt haben. Ein Thema, das es von sehr vielen verschiedenen Seiten zu betrachten lohnt. Denn gerade dann wird deutlich, wie vielfältig sich das Thema und die damit verbundene Problematik darstellt. Wir haben aus diesem Grund versucht, in Form einer Podiumsdiskussion die Schwierigkeiten im Bereich der Berufsausbildung aufzugreifen. Die von uns dafür auf das Podium eingeladenen Experten (Industrie- und Handelskammer BS, Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stadt, Ausbildungsbetrieb Malerbetrieb Bauermeister Bahrdorf, Arbeitsagentur Helmstedt, RegionalVerbund für Ausbildung (RVA) und Velpker Schule) waren überaus engagiert dabei. Wie engagiert, macht allein die Tatsache deutlich, dass die vorgesehene Zeit nicht ausreichte, um auf alle „Baustellen“ einzugehen. Was uns besonders freute war, dass es den Akteuren gelang, auch die teilnehmenden Gäste in die Diskussion mit einzubinden. Es wurden Fragen gestellt, Kritik geäußert und auch Vorschläge und Ideen zusammen getragen.
Samtgemeindebürgermeister Schlichting machte eingangs der Diskussion deutlich, dass durch den demografischen Wandel gegenüber 2001 nur noch die Hälfte an Schulabgänger vorhanden sind. Die Ausbildung qualifizierter Mitarbeiter wird dadurch für alle Betriebe, besonders für die kleinen, erschwert. Qualifizierte Mitarbeiter sind das Rückgrat unserer Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Weniger Ausbildung könnte den Bestand gefährden. Insofern fühlt sich die Samtgemeinde Velpke durch ihre Wirtschaftsförderungsabteilung aufgerufen, den Bestand an Betrieben sicherstellen zu helfen, denn durch diese betriebliche Infrastruktur wird die örtliche Gemeinschaft mitgetragen.
Ergebnisse der Diskussion zusammengefasst:
- Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Stand bislang immer das Problem mangelnder Ausbildungsplatzangebote im Mittelpunkt, zeigen aktuelle Erhebungen, dass der demografische Wandel bedingt durch sinkende Schülerzahlen die Besetzung von Ausbildungsplätzen zusehends erschwert. „Der Wettbewerb um die Besten hat begonnen.“ Kleine Betriebe, insbesondere Handwerksbetriebe, werden das in Zukunft verstärkt merken. Möglicher Lösungsansatz: Die Betriebe sind gefordert, mehr den Jugendlichen mit seinen Fähigkeiten und Stärken in den Mittelpunkt zu stellen, statt allein die Zeugnisnoten als Qualifikationskriterium zu nutzen. Auch ergänzender Förderunterricht könnte in bestimmten Bereichen Defizite ausgleichen.
- Deutlich wird auch, dass es häufig besonders Migranten schwer haben, ein Ausbildungsangebot zu bekommen. Dabei besitzen sie ein enormes Potential, das nur einfach mehr als bisher genutzt werden muss. Erste Voraussetzung: Die Sprachbarrieren müssen beseitigt werden! Denn an Motivation und Lernwillen mangelt es in den wenigsten Fällen. Die Anforderungen für die Ausbildungsbetriebe werden sich zukünftig weiter erhöhen. Sie werden noch mehr Arbeit, Zeit und Geld in die Ausbildung ihrer späteren Fachkräfte investieren müssen, um sich nachhaltig zukunftsorientiert am Markt zu behaupten.
- Nächstes Thema: Berufsorientierung. – Tatsache ist, dass die Vielfältigkeit der Ausbildungsberufe zu wenig bekannt ist. 80% der Schulabgänger bewerben sich auf 30% der anerkannten Ausbildungsberufe. Dem entgegenzuwirken muss Ziel der schulischen Berufsorientierung sein. Und die kann nicht früh genug beginnen. Versuche in einzelnen Schulen haben gezeigt, dass es sinnvoll ist, schon in der spätestens fünften Klasse Schüler auf die spätere Berufswahl vorzubereiten.
- Ein Thema, das sich aus dem vorgenannten Punkt ergibt: Das Betriebspraktikum soll den Schülern bei der Berufsorientierung helfen. So sinnvoll, wie der Einblick in den Berufsalltag auch ist, so problematisch stellt sich die Umsetzung für die Betriebe dar. Die Termine für die Betriebspraktika sind im Landkreis Helmstedt zu unkoordiniert. Viele Betriebe beklagen, dass zu viele Schulen zur gleichen Zeit Praktikumsplätze nachfragen. Oft fehlen die dafür erforderlichen Kapazitäten. Die Diskussionsteilnehmer machten in diesem Punkt deutlich, dass hier von Seiten der Landesschulbehörde reagiert werden müsse.
- Immer wieder ein heißes Thema: Ausbildungsbereitschaft- und Eignung von Schulabgängern. Ausbildungsbetriebe bemängeln bei Bewerbern immer häufiger Mängel im Bereich der Sozialkompetenzen. – Aufgabe der Schule?? – Aufgabe des Elternhauses?? – Aus dem ursprünglichen „Lehrauftrag“ der Schule ist heute ein Lehr- und Erziehungsauftrag geworden. Eine Doppelbelastung, die sich für die Schulen in der Umsetzung immer schwieriger darstellt. Dass Lehrer heute teilweise mehr Zeit mit den Kindern verbringen als deren Eltern, kann diese nicht von deren Erziehungs- und Fürsorgepflicht entbinden. Im Elternhaus müssen die Grundlagen für ein verantwortungsbewusstes und werteorientiertes Zusammenleben gelegt werden. Defizite in diesem Bereich können sich spätestens bei der Ausbildungsplatzsuche negativ auswirken.
- Abschließend ein Kritikpunkt, bei dem sich alle Ausbildungsexperten und teilnehmenden Gäste einig waren: Die „Informationsflut“ zum Thema Berufsausbildung. Das Medium Internet hat mit seinen vielen Vorteilen auch zur Unübersichtlichkeit und Verwirrung beigetragen. Einhelliger Tenor aller Beteiligter: Es sollte versucht werden, auf Kreisebene ein Informationssystem zu entwickeln, das die vielfältigen Angebote und Informationen bündelt und besser transparent macht. Vielleicht die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Informationssuchende. Man sieht, in der über zweistündigen Veranstaltung gab es Einiges zu diskutieren. Hier stellt sich nun aber auch die Frage: Was machen wir mit den Ergebnissen? Diskutieren allein ändert ja noch nichts. Für einige angesprochene Themen wird es sicher auch nicht einfach sein, Lösungen zu finden und diese zielführend umzusetzen. Aber gerade die zuletzt angeführte Kritik zur „Informationsflut“ sehen wir als einen Punkt an, an dem wir ansetzen können, Änderungen anzustoßen. Wir werden zeitnah auch die anderen Diskussionspunkte der Veranstaltung auf Kreisebene zum Thema machen. Die Podiumsteilnehmer haben ihre Unterstützung in diesem Prozess bereits signalisiert.
Abschließend bedankt sich die Velpker Wirtschaftsförderung recht herzlich bei allen Teilnehmern für den sehr konstruktiven und informativen Meinungsaustausch. Besonderer Dank gilt unseren Podiumsakteuren. Die Zusammenarbeit hat bestens geklappt. Wir hoffen, dass unser Wirtschaftsforum ein kleiner Impuls für weitere Aktionen und Maßnahmen zum Thema „Berufsausbildung, - Chance und Herausforderung“ sein konnte. (Fi.)
Velpker Wirtschaftsförderung
