Mackendorfer Chronik
Quelle: Festschrift 1000 Jahre Bahrdorf 1973
Mackendorf wurde als Bauerndorf in einer verhältnismäßig späten Siedlungsperiode gegründet. Wie schon bei der Geschichte von Bahrdorf ausgeführt wurde, ist die Dorfgemarkung in Gemeinschaftsarbeit mehrerer Siedler dem Walde abgerungen worden; das scheint die Namensendung -dorf jedenfalls auszusagen. Ob, wie bisher allgemein angenommen wurde, das Bestimmungswort wirklich Marko, eine Koseform von Markward (Marquardt) bedeutet, mag dahingestellt bleiben, da die Endsilbe - Dorf - immer auf die Ansiedlung eines Trupps, einer Gruppe hinweist und nicht auf die Gründung durch einen Einzelnen hindeutet.
Die ersten Jahrhunderte Mackendorfs, liegen im Dunkel der Geschichte, und sie werden auch nicht aufgehellt etwa durch ein Rittergeschlecht, das hier gehaust und von dem Ort seinen Namen bekommen hätte, wie das bei anderen Orten, etwa Bahrdorf, der Fall war. So müssen wir uns damit begnügen, festzustellen, dass Mackendorf ein reines Bauerndorf war, haufenförmig angelegt, und, als es ins Licht der Geschichte trat, schon mit einer Kirche in der Mitte des Dorfes.
Das Helmstedter Holzland
Mackendorf liegt dort im Landkreis Helmstedt, wo die alte braunschweigische Landesgrenze sechs Kilometer weit nach Osten bis an die Aller vorspringt; in dieser Nase liegt auch Saalsdorf.
Hier - nördlich des Lappwaldes - beginnt auch das Helmstedter Holzland als Teil des ostbraunschweigischen Flachlandes. Es ist die westliche Fortsetzung des gleichartigen Magdeburger Holzlandes und seinem Charakter nach auch den westlich im Kreise Gifhorn anschließenden Landschaften eng verwandt, besonders dem Hasenwinkel.
Größere Waldflächen - meist mit Kiefer, daneben aber auch mit Eiche und Buche - sind heute allerdings nur zwischen Mackendorf und Bahrdorf (Staatsforst Mariental und Altenaer Gutsforst) und auf der Velpker Platte (Danndorfer Forst) vorhanden. Doch zahlreiche Neurodungen auf den Feldmarken stammen erst aus dem 19. Jahrhundert, und in der frühmittelalterlichen Kulturlandschaft unterschied es sich scharf mit seiner nur von wenigen Siedlungen unterbrochenen Waldbedeckung von den altbesiedelten, mehr offenen Gebieten auf Schwarzerdböden im Süden des Kreises Helmstedt.
Wirtschaftsmethoden
Auf diesen tonig-kalkigen Böden wurde nun seit der Gründung des Ortes Ackerbau und Viehzucht betrieben, und zwar schon früh - mindestens seit den Zeiten der Karolinger - in der Form der Dreifelderwirtschaft. Bis ins 18. Jahrhundert hinein ging das auch gut, da außer Roggen, Hafer und Gerste nur etwas Weizen angebaut wurde. Andere Feldfrüchte kannte man kaum, und die wenigen Gartenfrüchte wurden in kleinen Hausgärten gezogen. Die Hauptnahrung war Brot und Fleisch, außerdem Butter, Käse und Eier. Gemüse war Luxus. Im 18. Jahrhundert wurde das anders. Lupine und Esparsette wurden bekannt und angebaut, Kohl aller Art, Kohlrüben. und andere Hackfrüchte - außer Kartoffeln - wurden in größeren Mengen auch als Viehfutter gebraucht. Wo sollte man diese Nutz- und Nährpflanzen anbauen? Dazu bot sich das Brachland an, aber durch die Bepflanzung mit Futterpflanzen und Hackfrüchten wurde dieser Teil der Feldmark besonders ausgelaugt. Der Boden konnte sich nun nicht mehr regenerieren, und die Früchte nahmen die letzten Nährstoffe aus der Erde.
Ungefähr hundert Jahre lang wurde der Acker auf der Mackendorfer Feldmark so ausgebeutet, bis der Halbspänner Heinrich Strauß im Hofe Nr. 3 im Jahre 1866 die Vierfelderwirtschaft einführte. Ein halbes Jahrhundert später erzielte man dann mit der Wechselwirtschaft (und dem Handelsdünger) noch bessere Resultate. Strauß konnte die Vierfelderwirtschaft aber auch nur durchführen (Sommerkorn, Winterkorn, Hachfrüchte oder Grünfutter und Brache), weil der Ackermann Friedrich von Steimker im Hofe Nr. 10 im Jahre 1845 auf dem Flurstück Lindthorst Mergel entdeckt hatte, der bei der Analyse einen Kalkgehalt von 25 bis 45 vom Hundert aufwies. So wurden die ersten Felder von Mackendorf 1868/69 mit Mergel gedüngt; nach zehn Jahren war diese Prozedur zu Ende .Der Erfolg war überraschend", schreibt ein Zeitgenosse, "doch wo Licht ist, da ist auch Schatten, denn nach dem Mergeln zeigten sich verschiedene Unkräuter, von denen man früher keine Ahnung hatte, vor allem Hederich. Um das Jahr 1900 wurde vor allem Superphosphat, Thomasmehl, Kali und Salpeter als Kunstdünger verwendet. Damals wurden in Mackendorf rund 250 Morgen mit Zuckerrüben bebaut, die nach der 1877 gegründeten Zuckerfabrik Weferlingen geliefert wurden.
Dorfbeschreibung von 1759
Im Jahre 1759 haben, "Georg Ludwig Mitgau als dazu Subdelegierter Commissarius und Ingenieur Schüttelöffel als Feldmesser" Dorf und Gemarkung von Mackendorf beschrieben und gezeichnet. In dieser Dorfbeschreibung heißt es vom Ackerbau: "Die Feldmark hat 1 518 Morgen, wovon alle Jahr 559 Morgen bestellt werden; der Rest ist Brache. Die Felder liegen in der Feldmark zerstreut und wird deren Bestellung nicht ordentlich betrieben; die Sandäcker, als der größte Teil der Feldmark, werden oft sechs bis neun Jahre brach gelassen, und da auch viel Länderei in Holz und in Kämpen liegt, so kann keine ordentliche Einteilung der Felder gemacht werden. Dazu ist zu sagen, dass Mitgau vom grünen Tisch aus urteilte. Er war kein Landmann der Praxis und sah nicht, dass die Zeit der Dreifelderwirtschaft vorbei war - ganz abgesehen davon, dass diese Wirtschaftsform in der strengen Form wohl nie und nirgends durchgeführt worden ist. Für Mackendorf kam noch hinzu, dass zwischen den Äckern Waldstücke lagen, die Licht und Sonne von den Feldern abhielten, und dass manche Äcker von einem mehr oder weniger breiten Saum von Bäumen umgeben waren, die dasselbe bewirkten; diese Felder wurden Kämpe genannt. Die Viehzucht", so heißt es in der Dorfbeschreibung von 1759, "Ist in gutem Stande und stark. Der größte Teil der Weide ist Holz- und Koppelweide", das heißt, die Gemeinde Mackendorf hatte im Lappwald mit dem Kloster Mariental gemeinsame Weideberechtigung, und auf der eigenen Gemarkung durften die Bauern ihr Vieh nur gemeinsam hüten. Im Jahre 1759 gab es in Mackendorf 33 Pferde (1888: 48), 104 Rinder (1888: 298), 39 Schweine (1873: 180), 460 Schafe (1873: 680) und 300 Gänse (1873: 52). Außerdem fütterten die Einwohner Puter in größerer Anzahl, die sie nach Martini (10. November) in die Städte Braunschweig, Magdeburg und Stendal verkauften.
Von Zins und Zehnten
Auch in früheren Zeiten mussten Steuern bezahlt werden, wenn sie auch andere Namen hatten. An herrschaftlichen Gefällen - wie die Landessteuern insgesamt hießen - musste das Dorf jährlich 311 Taler geben, die sich wie folgt verteilten: Kontribution 227 Taler, Landschatz 18 Taler, Proviantgelder 45 Taler, und Schafschatz 21 Taler. Diese Beträge wurden auf die Einwohner nach der Größe ihres Besitzes an Acker und Vieh umgelegt. Selbstverständlich haben sich die Steuerverhältnisse im Laufe der Zeit sehr verändert. So betrug die Steuer im Jahre 1842, wie aus dem Güterverzeichnis der Gemeinde von 1848 zu ersehen sind, 408 Talare und im Jahre 1880 gar 504 Taler. Aber außer diesen öffentlichen Abgaben hatten die Mackendorfer früher noch andere Abgaben zu leisten, die aus dem mittelalterlichen Lehnssystem herrührten. Diese Gefälle waren teils an die Herren von Spiegel in Seggerde und teils an das Klostergut Mariental zu leisten; aber auch das fürstliche Amt Bahrdorf verlangte von einigen Höfen verschiedene Dienste.
Als Beispiel möge der Ackerhof Nummer 1 dienen, um zu zeigen, wie verschiedenartig die zu leistenden Abgaben und Dienste waren. Das Klostergut Mariental bekam jährlich fünf Taler Dienstgeld und, da es auch Erbenzinsherr war, fünf Groschen Erbenzins; außerdem hatte der Hofbesitzer jährlich eine Fuhre nach Braunschweig für das Kloster zu leisten und einen Tag einen Knecht zum Mähen des Getreides zur Verfügung zu stellen. Für das Rittergut Altena hatte er jährlich vier Tage mit einem Gespann und einen Tag mit der Hand zu arbeiten. Dann hatte er von der gesamten Länderei (170 Morgen) den Kornzehnten und als Fleischzehnten das zehnte Lamm oder stattdessen von jedem Lamme zwei Mariengroschen zu entrichten. Die Pfarre in Bahrdorf bekam von ihm jährlich vier Pfennig, die Schule dort einen halben Himten (= 10 Kilogramm) Roggen. Ähnliche Abgaben lagen auch auf den anderen Höfen.
Ablösung und Separation
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aber auch die Separation oder Gemeinheits-Teilung durchgeführt. Der im gemeinsamen Besitz aller reiheberechtigten Dorfbewohner befindliche Anger, die sogenannte Almende, wurde nach der Größe des Besitzes verteilt, die zerstreut liegenden Äcker und Wiesen zu größeren Flächen zusammengelegt und neu verteilt und Wege und Brücken gebaut, um zu allen Teilen der Gemarkung zu gelangen. Das alles kostete Zeit und vor allem - Geld! In Mackendorf betrugen die Kosten der Separation rund 10000 Taler. Das mussten die Eigentümer aufbringen. Im Einzelnen stellten sich die Kosten des Separationsverfahrens auf 18,28 Mark und die der Anlagen (Wege, Stege, Brücken, Durchlässe usw.) auf 22,40 Mark, zusammen auf 40,72 Mark für den Hektar im Durchschnitt. Die Kosten in den Nachbargemeinden betrugen in Bahrdorf 29,13 Mark, in Rickensdorf 50,20 Mark, in Saalsdorf 32,92 Mark, in Grasleben 32,50 Mark und in Querenhorst 22 Mark. Groß war die Umwälzung, die die Separation hervorrief, und die alten Leute konnten sich damals kaum daran gewöhnen. Groß war aber auch der Vorteil, den sie brachte. Konnte nunmehr doch jeder säen und ernten, wann er wollte, ohne auf den Flurnachbarn Rücksicht nehmen zu müssen, da jetzt überall hin Wege führten. Zurzeit wird in Mackendorf wieder eine Flurbereinigung durchgeführt. Diese Abgaben waren der Höhe nach zum Teil nicht mehr berechtigt und der Art nach kaum noch überschaubar, geschweige denn durchschaubar. So ähnlich verwirrend sah es in der Feldmark aus. Jeder Bauer hatte in allen Teilen der Gemarkung Besitz, und Wege dahin gab es nicht.
So ging man im 19. Jahrhundert daran, hier bessere Zustände zu schaffen. Die Gerechtsamen wurden abgeschafft, indem sie abgelöst wurden. Bei der Auflösung der gemeinsamen Hütungsberechtigung im Marientaler Forst erhielt die Gemeinde Mackendorf 445 Morgen Land, und für die Aufgabe der Schweinezucht in diesem Walde zahlte das Klostergut Mariental! der Gemeinde 218 Taler. Für den Verzicht auf freie Lieferung von drei starken Buchen in jedem dritten Jahr bekam die Gemeinde noch einmal 255 Taler. Andererseits aber mussten die Hofbesitzer auch tief in die Tasche greifen, um Gerechtsame der Gutsherren wie Korn- und Fleischzehnten, Erbenzins, persönliche Dienstleistungen und anderes abzulösen. So bekam der Freiherr von Spiegel laut Rezess von 1839 allein 8 700 Talern aus dem Dorfe. Auch das Klostergut Mariental erhielt erhebliche Gelder. Die Dienste und Gefälle an die Pfarre in Saalsdorf wurden mit Land abgelöst, der Kornzehnte an Pfarre und Schule dort mit 1 000 Taler. Das nötige Kapital wurde den Beteiligten vom Herzoglichen Leihhause (der späteren Braunschweigischen Staatsbank und jetzigen Norddeutschen Landesbank) vorgestreckt. Es musste mit vier vom Hundert verzinst und mit eins vom Hundert getilgt werden.
Industrie auf Bauernland
Länger als 800 Jahre wurden in Mackendorf die Äcker bestellt, die Wiesen gemäht, die Kühe gemolken, und es wurde Butter und Käse hergestellt und Brot gebacken - alles fast nur für den eigenen Gebrauch. Auch die Geräte änderten sich in diesen Jahrhunderten nicht viel, seitdem Mackenthorpe um das Jahr 1160 in einem Güterverzeichnis des Klosters St. Ludgeri bei Helmstedt erscheint. Damals musste das Dorf diesem Kloster einen Krug Honig liefern, außerdem bekam, der Propst des Klosters Zins von 12 Hufen. Handwerker für den bäuerlichen Bedarf sind wohl schon früh in Mackendorf wie in anderen Dörfern ansässig gewesen. So finden wir im Jahre 1759 einen Schmied, einen Stellmacher, zwei Schneider, zwei Leineweber und einen Schuster; sie alle betrieben das Handwerk aber als Nebenberuf. Im Jahre 1889 hat sich das Bild der Handwerker etwas gewandelt. Kein Schneider ist mehr vorhanden, aber neben einem Schuhmacher und einem Stellmacher üben zwei Tischler und ein Maurer ihre Berufe aus. Die hauptsächlichste Nebeneinnahme der Einwohner im 19. Jahrhundert bestand in dem Erlös aus dem Verkauf von selbstgesponnener und selbstgebleichter Leinwand. In vielen Höfen wurden jährlich 20 bis 30 Stiegen (zu je 20 Ellen) produziert, die zu drei bis vier Taler je Stiege verkauft wurden. Wenn im Winter das Korn ausgedroschen worden war, mussten auch die Knechte mit spinnen. Um 1850 waren in Mackendorf mehr als 30 Webstühle im Betrieb. Der Anbau der Zuckerrübe und die dadurch bedingte bessere Ausnutzung des Bodens hat den Anbau von Lein und damit Spinnrad und Webstuhl verdrängt, die jetzt nur noch in Museen zu sehen sind. Ein Industriewerk im modernen Sinne entstand erst 1938 auf der Mackendorfer Feldmark. In den hier anstehenden Schiefertonen des Doggers war geeignetes Material zur Klinkerherstellung vorhanden. So entstand hier das Klinkerwerk Hintzen als der einzige Betrieb auch in der weiteren Umgebung. Nachdem der Ton hier erschöpft war, mussten andere Lagerstätten gesucht werden, und die wurden auf Papenröder Feldmark gefunden. Das Werk wurde inzwischen in den Produktionsmethoden von Grund auf erneuert und vollkommen neu aufgebaut. Im Jahre 1961 ging man von Ringöfen und Kohlebrand auf Tunnelöfen und Ölbrand über, im Jahre 1971 wurde ein weiterer Flachbrandofen in Betrieb genommen. Die Tagesproduktion stieg von 15 000 (1960; über 30000 (in den 60er Jahren) auf 60 000 Stück im letzten Jahr (1972). Das Werk fertigt ganzjährig säurefestes Material, u.a. auch Dekorationsklinker, technische Klinker, Klinkerplatten und Fenstersohlbankklinker.
Damit sind wir nach einer mehrhundertjährigen Wanderung durch die Geschichte Mackendorfs in der Gegenwart angelangt. Zwar haben wir nicht alles sehen können, was die Zeit zu bieten hatte, dazu ist der Raum dieser Blätter zu beschränkt. Aber wir konnten doch manches Interessante zeigen, was in unserer schnelllebigen Zeit leicht übersehen - und vergessen wird.
