Bildhauer Symposion 1998
1998
In der Zeit vom 31.08.1998 bis 19.09.1998 führten wir das 2.Internationale Velpker Bildhauer-Symposion durch.
Anstoß zur Fortführung der Veranstaltung von 1996 war zum einen der große Erfolg des 1.Internationalen Bildhauer-Symposions. Aber auch die Idee ein solches Projekt gerade in einer ländlichen Region durchzuführen, hat uns inspiriert, ein besonderes künstlerisches Element nach Velpke zu holen.
Herr Paul Justus Lück konnte nochmals für die künstlerische Leitung gewonnen werden. Sechs, durch eine Ausschreibung ausgewählte international bekannte Künstler erstellten im Velpker Steinbruch ihre Werke.
Unser besonderer Dank gilt den Sponsoren, die in einer eigens erstellten Broschüre benannt werden, nicht zuletzt aber der C.Körner Natursteinwerk GmbH Velpke, die neben dem Werkstoff, Betriebsgelände und Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Hervorzuheben ist die Förderung durch den Schirmherrn, dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Niedersächsischen Innenminster Herrn Gerhard Glogowski und der Stiftung Nord/LB - Öffentliche, ohne deren Engagement zur Föderung von Kunst und Kultur diese Veranstaltung nicht möglich wäre.
Teilnehmer:
Varda Ghivoly und Ilan Gelber, Tel Aviv, Israel
Dorissa Lem, Köln, Deutschland
Fabrizio Lorenzani, Carrara, Italien
Klaus Rieck, Meinersen, Deutschland
Norio Takaoka, Tokio, Japan
"NATURA MORTA No.6 SHABAT TABLE"
Unsere Skulpturen sind für den öffentlichen Raum gedacht. Um den Bezug zur Realität aufzunehmen, verwenden wir alltägliche Gebrauchsgegenstände, die wir stilisiert gestalten. Stein ist das Material, das diese Gegenstände in einem neuen fremdem Licht erscheinen läßt, auch die Behandlung der Oberfläche des Steines und seiner Struktur hängt mit dem Licht zusammen. Das gleißende Licht in Israel verlangt, daß unsere Arbeiten das Licht absorbieren und nicht reflektieren müssen.
So versuchen wir auf internationalen Symposien, wie in Velpke, unsere Licht- und Kulturverhältnisse mit denen im anderen fremden Umfeld in Verbindung zu bringen. Speziell auch die europäische und die deutsche Kultur sind in unsere Arbeit aufgenommen.
So zeigt auch "NATURA MORTA No.6", unser 6. Sabbat-Tisch einmal jüdische Tradition, erinnert aber auch an den christlichen Abendmahlstatus.
VARDA GHIVOLY - ILAN GELBER
7, Mazal Shor st. Old Jaffa, Tel Aviv 68036-Israel Telefax 972-3-6839985
"Kraftfeld"
"Stein-Zeit" bedeutet für mich Bezugnahme auf alteuropäische, matriarchal geprägte Kulturen, die erdverbundene, dem Lebenszyklus von Mensch und Natur gemäße Gestaltungen hervorbrachten.
In der technisierten Welt des ausgehenden 20. Jahrhunderts erscheint mir eine Wiederentdeckung dieser frühen menschlichen Äußerungen notwendig und heilsam. Im skulpturalen Prozeß mit dem Thema "Stein-Zeit" suche ich auch meine eigenen "Wurzeln" auf und schaffe damit Kraftfelder für die Zukunft.
Konkret wähle ich die Spirale als Urbild des lebendigen Werdens und Vergehens.
Dorissa Lem
Stolberger Straße 380 D-50933 Köln Telefax 0221 495999
"Pendel"
Für das Velpker Symposion unter dem Titel "Stein-Zeit" habe ich an eine Skulptur gedacht, bei der die Zeit durch zwei Elemente aus Stein (Pfeiler oder antike Stelen) dargestellt wird. Diese symbolisieren das Werk des Menschen oder einer Zivilisation und zwar in Gestalt der Konzepte der Zeit.
Der Gedanke der Bewegung (das Vergehen der Zeit) wird durch zwei Pendel an der Seite ausgedrückt, aber ihre Bewegung ist nur imaginär, findet lediglich in unserer Vorstellung statt. Erkennbare sichtbare Folge des Vergehens der Zeit ist lediglich eine schwache Spur, nämlich zwei Furchen auf dem Sockel, die sie mit der Zeit durch ihre Bewegung hinterlassen.
Fabrizio Lorenzani
Via D. Galimberti 10 54032 Bedizzano (MS) Italien
"Bar"
Meine Arbeiten beschäftigen sich mit der "zerstörten Perspektive".
Dieser Begriff umschreibt meinen gedanklichen Ansatz von Bildhauerei; er meint nichts Destruktives.
Entgegengesetzt zum klassischen Bildhauer arbeite ich wie ein Maler oder Zeichner gegenüber einer Fläche und vernachlässige absichtlich die 3. Dimension. Ich lege meine Arbeit von einem Stand-, bzw. von einem Blickpunkt an. Von diesem Punkt aus gesehen muß die Arbeit stimmen.
Damit erwarte ich vom Betrachter, daß er meinen Standpunkt einnimmt, bzw. diesen sucht.
Hat er diesen gefunden, so ergibt sich ein stimmiges Ganzes. Diese formale Aussage hat für mich einen Realitätsbezug: Menschen glauben sich in die Sichtweise eines anderen hineinversetzen zu können. Diese kann jedoch nur durch intensives Suchen gefunden werden. So kommt es auch bei der "Bar" auf den richtigen Standpunkt des Betrachters an. Das Fenster ist hier Gegenstand der Irritation.
Paul Justus Lück
Wilhelm-Exner-Gasse 36/8 A-1090 Wien Telefon/Fax 0043-1-3193820
"Bogen" für Alena
Der Bogen ist ein Fragment des Zwölfecks, er besteht aus fünf einzelnen Teilen.
Das Zwölfeck vermittelt zwischen Kreis und Quadrat.
Zwölf Monate hat ein Jahr,
zwölf Stunden ein halber Tag.
Das Ganze wird sichtbar im Fragment.
Der Bogen überbrückt den Raum und vermittelt zwei Standpunkte.
Der Bogen trägt sich selbst aufgrund statischer Gesetze und der Schwerkraft,
es ist balanciert.
Der Mensch bewegt sich auf dem Bogen im Raum.
Er lebt im Grenzbereich zwischen Himmel und Erde.
Klaus Rieck
Chausseestraße 94 III D-10115 Berlin
"Doppel-Flügel"
Der Kern.
Der Kern des Geistes.
Wir besitzen ihn in unserem Herzen.
Er steigt hoch und reist durch die Zeit.
Norio Takaoka
400-19 Kofukasaku Omiya Saitama Japan






